Schleswig-Holstein - stark im Norden! -
Regierungsprogramm 2005 - 2010 - Bildung
Leitbild 1: Im Norden starkes Lernen
Wir wollen leistungsstarke Schulen und Hochschulen. Alle Bildungseinrichtungen sollen individuell fördern und
Chancengleichheit bieten!
1. Ziel:
Berufs- und Familientätigkeit müssen vereinbar sein. Wir werden die Betreuungsangebote für Kinder ausbauen.
Bis 2010 soll für alle Eltern die Möglichkeit bestehen, ihr Kind betreuen
zu lassen - sei es durch eine Tagesmutter, in der Krippe, im Hort, im Kindergarten oder in der Schule. Neben
der Betreuung haben die Kindertagesstätten auch weiterhin zusätzlich einen Erziehungs- und Bildungsauftrag zu
erfüllen.
Mit einer Initiative "Kinder- und Jugendbetreuung unter einem Dach" werden wir bis 2010 die Kooperation von
Schule, Jugendhilfe und Kindertagesstätten deutlich intensivieren und verbessern.
2. Ziel:
Wir werden eine Unterrichtsgarantie geben. Bis 2008 soll Unterrichtsausfall in allen Schulen kein Thema mehr sein.
3. Ziel:
Wir werden eine Qualitätsgarantie geben. Bundesweite Standards sind für unsere Schulen verbindlich und werden
überprüft. Unsere Schulen arbeiten zielorientiert, eigenverantwortlich und über die Schularten hinweg zusammen.
4. Ziel:
Wir werden bis 2010 gemeinsam mit Kommunen, Lehrern und Eltern eine Schulentwicklungsplanung für das Land machen und die
notwendigen Schlüsse aus den Folgen des demographischen Wandels und aus den Ergebnissen der PISA-Studie ziehen.
Durch Öffnen und Zusammenwachsen der Schularten sichern wir das regionale Schulangebot, überwinden trennende
Elemente im bisherigen Bildungswesen und ermöglichen längeres gemeinsames Lernen im Sinne "Eine Schule für alle".
5. Ziel:
nsere Hochschulen sollen weltoffen sein und sich dem Wettbewerb stellen. Dazu streben wir an, dass zukünftig
noch mehr Studierende einen Teil ihrer Ausbildung im europäischen Ausland verbringen. Wir setzen auf Qualität
in der Breite und fördern Spitzenleistungen in den exzellenten Bereichen. Hochschulbildung darf niemandem aus
finanziellen oder sozialen Gründen versagt werden.
Im Norden starkes Lernen
Bildung und Erziehung entscheiden über die Qualität unseres zukünftigen Lebens, über demokratische Teilhabe und
über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unseres Landes. Deshalb gehören für uns Bildung und soziale
Gerechtigkeit zusammen. Alle Kinder und Jugendlichen sollen eine bestmögliche Erziehung und Bildung erhalten -
unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem sozialen Hintergrund. Alle Erwachsenen sollen ein attraktives Angebot
für ihre berufliche Bildung und für ihre individuelle Weiterbildung vorfinden.
Die Finanzierung unserer Bildungseinrichtungen hatte deshalb für uns in den vergangenen Jahren höchste Priorität.
Zugleich wissen wir: die Qualität von Bildung hängt nicht nur vom Geld ab, das wir bereitstellen. Insbesondere
internationale Untersuchungen wie PISA und IGLU, aber auch die Erichsen-Kommission haben uns gezeigt, dass sich
in unseren Schulen und Hochschulen vieles ändern muss. Sie brauchen mehr Eigenverantwortung, mehr Verbindlichkeit
und Überprüfung ihrer Anforderungen. Sie müssen die individuelle Förderung stärken, sie müssen überhaupt fördern
und fordern, statt auszusortieren. Und sie sollen sich zu ihrem gesellschaftlichen Umfeld öffnen.
Diese Reformen haben wir angepackt. Wir wollen diesen Weg weitergehen - gemeinsam mit allen Beteiligten.
I. Was haben wir erreicht?
Unsere Bilanz kann sich sehen lassen:
- Wir haben gemeinsam mit den Kommunen und den Trägern der freien Wohlfahrtsverbände ein bedarfsgerechtes,
qualitativ hochwertiges Angebot an Kindertagesstätten geschaffen.
- Seit 1988 haben wir den Landeszuschuss für Kindertagesstätten um das 600-fache auf 60 Millionen Euro jährlich
erhöht.
- Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule ist durch eine neue vorgezogene Schuleingangsuntersuchung und
durch die Einführung der flexiblen Eingangsstufe sehr viel kindgerechter geworden. Die Kindertagesstätten
unterstützen die pädagogische Arbeit der Grundschulen.
- Überall im Land besteht ein breites Angebot unterschiedlicher schulischer Bildungsgänge und -abschlüsse.
- Die Integration von behinderten und nicht behinderten Schülerinnen und Schülern ist deutlich ausgebaut worden.
- Auf steigende Schülerzahlen haben wir mit der Wiederbesetzung aller frei werdenden Stellen und mit der
Schaffung zusätzlicher Planstellen reagiert.
- Durch das Programm "Jede Stunde zählt!" ist der Unterrichtsausfall erheblich zurückgegangen.
- Die verlässliche Grundschule wird schrittweise eingeführt: seit Beginn des Schuljahres 2003/04 an 106
Grundschulen im Hamburger Umland, im Schuljahr 2004/2005 an den Grundschulen der kreisfreien Städte.
- Die Betreuungsangebote an den Grundschulen des Landes konnten mit Unterstützung der Schulen und Schulträger
ausgebaut werden.
- An vielen Grundschulen wird bereits Englischunterricht erteilt.
- Zahlreiche offene Ganztagsschulen sind - auch durch Unterstützung des Investitionspro-gramms der
Bundesregierung "Zukunft Bildung und Betreuung" - aufgebaut worden.
- Unsere Schulen haben mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit als je zuvor.
- Wir haben die demokratische Mitbestimmung von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern in Form der
Drittelparität gestärkt.
- Nach PISA sind wichtige Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung und Qualitätssicherung der Schulen eingeleitet
worden. 11
- Durch verbindliche Vergleichsarbeiten und den "Schul-TÜV", den wir als erstes Bundesland eingeführt haben,
können Stärken und Schwächen der Schulen besser erkannt werden.
- Die Beruflichen Schulen im Lande Schleswig-Holstein sind auf dem Wege zu Regionalen Berufsbildungszentren (RBZ).
- Die Lehrerausbildung wird praxisnäher gestaltet und internationalen Standards angeglichen.
- Die Hochschulstrukturreform, die den Empfehlungen der Erichsen-Kommission folgt, fördert die Profil- und
Schwerpunktbildung in der Hochschullandschaft Schleswig-Holsteins.
- Durch den Abschluss von Zielvereinbarungen haben die Hochschulen finanzielle Planungssicherheit bis
zum Jahre 2008 erhalten.
- Mit den Volkshochschulen wurden Zielvereinbarungen abgeschlossen.
- Die Landeszentrale für politische Bildung wurde neustrukturiert.
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I. Was wir fortsetzen und neu auf den Weg bringen wollen (2005 - 2010)
1. Wir wollen erreichen, dass sich möglichst alle Kinder in Kindertagesstätten optimal
entwickeln und entfalten können und gut auf die Schule vorbereitet werden. Wir wollen Chancengleichheit für Alle.
Wir haben in den letzten Jahren ein bedarfsgerechtes und qualitativ hochwertiges Netz an Kindertageseinrichtungen
geschaffen. Kindergärten stärken die persönliche, geistige und soziale Entwicklung der Kinder und tragen zu einem
erfolgreichen Schulstart bei. Dies wollen wir fortführen.
- Wir werden gemeinsam mit den Trägern den Bildungsauftrag der Kindertagesstätten stärken und die Kooperation mit
den Grundschulen intensivieren.
- Wir werden beim Landeszuschuss zu den Kindertagesstätten auch bei zurückgehenden Kinderzahlen sicher stellen, dass
bestehende Angebote qualitativ weiterentwickelt und Ganztagsplätze sowie zusätzliche Plätze auch für Kinder unter drei
Jahren eingerichtet werden können.
- Zur qualitativen Weiterentwicklung bestehender Angebote gehört auch die Ausbildung und Qualifizierung von
Tagesmüttern für Kinder unter 3 Jahren.
- Für die Aus- und Fortbildung der Erzieherinnen und Erzieher werden wir auch weiterhin Angebote insbesondere zur
Diagnostik und Sprachförderung bereitstellen. Wir wollen erreichen, dass in den nächsten 5 Jahren in jeder
Kindertagesstätte mindestens ein/e Erzieher/in eine entsprechende Fortbildung erhalten hat.
2. Wir wollen die Bildungschancen für alle Kinder deutlich verbessern. Die Herkunft darf nicht über den
Bildungserfolg entscheiden.
Jedes Kind, jeder Jugendliche hat ein Recht auf Entfaltung seiner Bildungspotenziale. Gesellschaft und Wirtschaft
brauchen künftig in noch größerem Umfang umfassend gebildete und gut qualifizierte Schulabgänger. Die hohe
Abhängigkeit der Bildungschancen und des Bildungserfolges von der sozialen Herkunft wollen wir deutlich reduzieren.
Damit alle Kinder bei der Einschulung über ausreichende deutsche Sprachkenntnisse verfügen, werden wir in
vorgezogenen Einschulungsgesprächen den Sprachstand feststellen und flächendeckend vorschulische
Sprachfördermaßnahmen sicherstellen.
- Zurückstellungen vom Schulbesuch soll es künftig nur noch in Ausnahmefällen geben.
- Wir gehen davon aus, dass Eltern im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Bildungsprozess ihrer Kinder unterstützen.
- Integration hat für uns Vorrang vor der Zuweisung in eine Sonderschule. Wir wollen alle Kinder und Jugendlichen
mit Behinderungen, die dafür in Betracht kommen, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen ohne Behinderungen
unterrichten. Hierfür werden Land, Schul- und Sozialhilfeträger die notwendigen Ressourcen bereitstellen.
- Wir werden für Kinder mit Migrationshintergrund, die Sprachprobleme haben, die Angebote zur Förderung von
"Deutsch als Zweitsprache" weiter ausbauen. Wir werden Initiativen der Schulen und Eltern für einen
muttersprachlichen und bilingualen Unterricht unterstützen und fördern.
- Wir wollen durch eine verbesserte individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler sowohl die Zahl der
Wiederholer reduzieren als auch die Zahl höherer Abschlüsse deutlich steigern. Veränderte Bewertungsformen und
Alternativen zur Wiederholung ganzer Klassenstufen sollen dabei helfen.
- Wir wollen die Zahl der Schüler ohne Schulabschluss reduzieren. Hauptschulen, die flexible Ausgangsphasen für
Schüler entwickeln, damit möglichst viele einen Abschluss erhalten, sollen durch Sozialpädagogen unterstützt
werden. An allen Schularten - insbesondere den Hauptschulen - streben wir eine Integration sozialpädagogischer
Arbeit an.
- In den beruflichen Schulen werden wir die Möglichkeiten des nachträglichen Erwerbs von allgemein bildenden
Abschlüssen und das Angebot vollzeitschulischer beruflicher Bildungsgänge ausweiten. Ein neuer einjähriger
berufsvorbereitender Bildungsgang in der Berufsfachschule und eine Ausweitung der Plätze an Fachgymnasien
sollen dazu beitragen.
3. Wir wollen die Unterrichtsversorgung weiter verbessern und den Unterrichtsausfall wirksam bekämpfen.
Wir werden eine Unterrichtsgarantie geben. Bis 2008 soll Unterrichtsausfall in allen
Schulen kein Thema mehr sein. Vor allem in der Grundschule brauchen wir eine Ausweitung der Unterrichtszeiten
und der Verlässlichkeit.
- Wir werden die "Verlässliche Grundschule" im ganzen Land bis zum Schuljahr 2007/08 einführen und zusätzliche
Betreuungsangebote in den Grundschulen wie bisher fördern.
- Ab dem Schuljahr 2006/07 werden wir für das Fach Englisch in der Grundschule in den Klassen 3 und 4
schrittweise jeweils zwei zusätzliche Unterrichtswochenstunden bereitstellen.
- Die Schulen, deren Schülerzahlen noch wachsen, werden wir mit zusätzlichen personellen Mitteln unterstützen.
- Wir werden den Vertretungsfonds fortführen.
4. Wir wollen, dass unsere Schülerinnen und Schüler im nationalen und internationalen Vergleich bessere Leistungen
erzielen.
Möglichst hohe Qualifikationen und Schulabschlüsse sollen unseren Schülerinnen und
Schülern einen guten Start in das Berufsleben und das lebensbegleitende Lernen ermöglichen. Mit systematischer
Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung, zum Beispiel mit Vergleichsarbeiten in der Klasse 4 der Grundschule
oder mit der Externen Evaluation im Team (Schul-TÜV), unterstützen wir die Schulen bei diesen Aufgaben. Diesen Weg,
mit der Vorgabe klarer, realistischer Lernziele und Abschlussanforderungen und deren Überprüfung, wollen wir weiter
gehen.
Die Erziehung zum selbständigen Lernen soll im schulischen Alltag in jedem Unterrichtsfach vermittelt werden.
- Wir werden die nationalen Bildungsstandards für unsere Schulen verbindlich machen und die Einhaltung mit
landesweiten Testverfahren konsequent überprüfen.
- Die Lehrerbildung werden wir gestuft gestalten und auf Bachalor- und Master-Studiengänge (BA/MA) umstellen.
Damit wollen wir ihr pädagogisches und didaktisches Profil stärken, sie praxisnäher ausrichten und zugleich die
Möglichkeiten erweitern, sich im Laufe des Studiums auf ein breiteres Berufsfeld zu qualifizieren, oder umgekehrt
den Quereinstieg zu erleichtern.
- Wir wollen die Lehrerfortbildung intensivieren und den Erfordernissen neuer Bildungskonzepte anpassen. Die
Lehrerausbildung soll so gestaltet werden, dass sie künftig auf Veränderungen der Schulstrukturen reagieren kann.
- Wir setzen uns dafür ein, dass diese Regelung in allen Bundesländern gilt.
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5. Wir wollen für jedes Kind in erreichbarer Entfernung ein Ganztagsangebot unter dem Dach der Schule bereitstellen.
Dazu sollen Schule und Jugendhilfe noch enger kooperieren. Mit einer Initiative "Kinder- und Jugendbetreuung unter
einem Dach" werden wir bis 2010 die Kooperation von Schule, Jugendhilfe und Kindertagesstätten deutlich intensivieren
und verbessern.
Schule ist mehr als Unterricht: Wir wollen sie in Kooperation mit außerschulischen Partnern, insbesondere der
Jugendhilfe, aber auch mit Vereinen und Verbänden, zu einem Lernort entwickeln, der die Erziehungs- und
Bildungsprozesse der Schülerinnen und Schüler und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt.
- Für den bedarfsgerechten Aufbau weiterer "Offener Ganztagsschulen" stehen bis 2007 Investitionsmittel von
über 100 Mio. Euro zur Verfügung.
- Wir werden auch weiterhin Landeszuschüsse zu den laufenden Kosten bereitstellen.
- Wir werden die enge Kooperation von Schule und Jugendhilfe intensivieren und die Zusammenarbeit von Schule mit
Vereinen, Verbänden und anderen Partnern weiter ausbauen.
6. Wir wollen die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Schulen, die Verantwortung der kommunalen
Gemeinschaft und das bürgerschaftliche Engagement für die Schulen stärken.
Unser Leitbild ist ein Bildungsangebot, das allen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen offen steht, das allen
Begabungen gerecht wird und regional verankert ist. Größere Chancengleichheit und bessere Qualität sind unsere Maßstäbe.
- Wir werden gemeinsam mit den Schulträgern längeres gemeinsames Lernen ermöglichen und dafür verschiedene
Schularten organisatorisch und pädagogisch verbinden. So können sich unterschiedliche Bildungsgänge zueinander
öffnen und in einer "Schule für alle" zusammengefasst werden. Wir wollen dadurch das Bildungsangebot in den Regionen
auch bei rückläufigen Schülerzahlen sichern, eine bessere individuelle Förderung und eine höhere Durchlässigkeit
ermöglichen.
- Wir wollen modellhaft mit den Kommunen "Regionale Bildungslandschaften" gestalten. Darin sollen die Unterstützungs-
und Beratungsangebote für Schulen in "Regionalen Pädagogischen Dienstleistungszentren" zusammengeführt werden.
Mittelfristig können diese Zentren auch die Verantwortung für Personal und Sachmittel übernehmen und die Kooperation
von Schule und Jugendhilfe stärken.
- Wie im Kindergartenbereich müssen männliche Lehrkräfte vor allem auch für den Grundschulbereich gewonnen werden.
- Ein Innovationsfonds soll Kommunen und Bildungseinrichtungen motivieren, sich mit dem Land auf diesen Weg zu begeben.
- Die Schulen werden weitere Spielräume zur eigenverantwortlichen Gestaltung erhalten: für ihre innere Organisation,
eben für personelle, finanzielle und curriculare Angelegenheiten.
- Wir werden die Umwandlung der beruflichen Schulen zu "Regionalen Berufsbildungszentren" (RBZ) fortsetzen, damit
diese mit der Wirtschaft vor Ort und mit den Sozialpartnern ein bedarfsgerechtes System beruflicher Qualifizierung
und Weiterbildung auf- und ausbauen. Um eine wohnortnahe Berufsausbildung zu gewährleisten, werden wir verstärkt mit
Hamburg kooperieren.
- Wegen der sich im Wirtschaftsraum Ostsee ergebenden Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich des Mittelstandes und insbesondere des Handwerks sollen die Bemühungen verstärkt werden, zweisprachige Ausbildungsangebote mit Schwerpunkt auf Ostseeanrainersprachen zu entwickeln.
7. Wir wollen unsere Hochschulen modernisieren und ihr Profil stärken. Mit ihrer Innovationsfähigkeit sollen sie
sich im nationalen und internationalen Wettbewerb behaupten. Zur Umsetzung dieser Ziele setzen wir auf mehr Autonomie
und Selbstkontrolle.
Wir bieten den Hochschulen mit dem Ausgleich für Tariferhöhungen Planungssicherheit und zusätzlich einen
Innovationsfonds in Höhe von insgesamt 25 Mio. Euro für die kommenden fünf Jahre. Mit dem Hochschulvertrag
erhalten die Hochschulen größere Gestaltungsmöglichkeiten.
- Wir werden die Eigenverantwortung der Hochschulen durch eine weitgehend globale Haushaltssteuerung und
eigenverantwortliches Management konsequent stärken. Dazu werden wir neue Formen der ergebnisorientierten
Qualitätssicherung einführen wie Evaluierung und Akkreditierung. Dabei stellen wir das bisherige System der
Akkreditierung auf den Prüfstand und entwickeln einen für die Peers verbindlichen Katalog an Kriterien.
Zudem werden wir die finanzielle Unabhängigkeit der Akkreditierungsagenturen von den zu akkreditierenden
Universitäten sicherstellen.
- Wir werden mit der Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master die internationale Attraktivität
unserer Hochschulen stärken, die Studienerfolge verbessern und die Studienzeiten verkürzen. Feste Quoten beim
Übergang von Bachelor auf Master lehnen wir ab. Bei der Gestaltung der Studiengänge setzen wir insbesondere auf
die verstärkte Modularisierung und die Einführung von Credit Points.
- Wir wollen den Nachwuchs in Forschung und Lehre stärken und fördern, auch durch zusätzliche Graduiertenkollegs
und durch Promotionsstudiengänge.
- Wir wollen, dass auch in den Hochschulen das Prinzip des gender mainstreaming konsequent umgesetzt wird.
Dazu gehört, mehr Frauen als Hochschullehrerinnen anzustellen.
- Wir werden die internationale Kooperation der Hochschulen, insbesondere rund um die Ostsee, weiterhin
unterstützen und fördern. Wir wollen insbesondere gemeinsame Universitäts- und Hochschulverbünde mit gemeinsamen
Studienabschlüssen rund um die Ostsee ausbauen. Dazu streben wir an, dass noch mehr Studierende einen Teil ihrer
Ausbildung im europäischen Ausland verbringen sollen, und dass Studieren auch im Virtual Campus möglich ist.
- Die Hochschulkooperation mit Hamburg werden wir weiter ausbauen.
- Die bestehende Zusammenarbeit der Uni Flensburg mit der Syddansk Universitet im Bereich Internationales
Management wird als Modellbeispiel grenzüberschreitender Zusammenarbeit weiter gestärkt.
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8. Wir wollen gute Studienbedingungen und weltoffene Hochschulen.
Wir werden in Schleswig-Holstein ein breit gefächertes und qualitativ hochwertiges Studienangebot erhalten. Dazu
brauchen wir eine der Flächenstruktur angepasste und strukturfördernde Profilbildung der Angebote an wichtigen,
entwicklungsträchtigen Standorten.
- Wir werden die Qualität der Lehre gezielt unterstützen.
- Hochschulbildung darf niemandem aus finanziellen oder sozialen Gründen verwehrt werden. Wir halten deshalb an der
Gebührenfreiheit für das Erststudium fest.
- Wir stärken die Studienberatungsangebote der Hochschulen.
- Die Studierenden sollen in die Verfahren der Qualitätssicherung einbezogen werden.
- Wir wollen, dass möglichst viele schleswig-holsteinische Studierende einen Teil ihres Studiums im Ausland
absolvieren und ausländische Studierende zu uns kommen. Wir unterstützen dazu die internationalen Beziehungen
unserer Hochschulen.
- Wir wollen das Angebot an zweisprachigen Studiengängen verstärken. Im Bereich der FH-Flensburg und der Uni
Flensburg denken wir dabei auch an Studiengänge in dänischer Sprache.
- Schleswig-holsteinischen Studierenden müssen an hamburgischen Hochschulen zu den gleichen Bedingungen studieren
können wie Studierende aus Hamburg.
9. Unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollen Ideenschmieden für die Zukunft sein. Wir setzen dabei
auf Qualität in der Breite und fördern die Leistungen an der Spitze.
Schleswig-Holstein hat exzellente Forschungseinrichtungen mit internationalem Ruf. Diese Spitzenstellung wollen
wir vor allen in den Bereichen Meeresforschung, Medizintechnik, Biotechnologie und Wirtschaftswissenschaften weiter ausbauen.
- Wir wollen unsere Forschungseinrichtungen mit den exzellenten Bereichen unserer Hochschulen intensiver vernetzen.
Wir setzen dabei auf die Überschreitung von Grenzen: der Fächer, der Hochschulen, der Regionen und der Nationen.
- Gemeinsam mit den Förderinstituten und der Wirtschaft unseres Landes wollen wir den Wissens- und Technologietransfer
ausbauen.
- Forschungsergebnisse sollen schnell in neue Produkte, Techniken und Verfahren umgesetzt werden können. Die
Bedingungen für Existenzgründungen aus der Forschung heraus werden verbessert.
10. Wir wollen Weiterbildung und lebenslanges Lernen zur Selbstverständlichkeit machen.
Schule, Berufsausbildung oder Studium und lebenslanges Lernen werden in Zukunft die Bildungsbiografie jedes Einzelnen
ausmachen. Diese Biografie ist die Grundlage für Beschäftigungsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung, deshalb
müssen berufliche und allgemeine Weiterbildung für jeden selbstverständlich werden.
- Wir werden das Netz der Weiterbildungsverbünde in Schleswig-Holstein ausbauen.
- Wir wollen durch regelmäßige Evaluation die Qualität der Angebote garantieren.
- Mit dem Netz der Volkshochschulen und Bildungsstätten wollen wir das flächendeckende Angebot der allgemeinen
Weiterbildung sichern.
- Wir wollen mit der Landeszentrale für politische Bildung und den Volkshochschulen ein bürgernahes Angebot für
die politische Bildung bereitstellen.
- Wir werden den Weiterbildungsauftrag der Hochschulen ausbauen und mit dem Angebot der anderen Träger stärker
verzahnen.
- Wir wollen einen Weiterbildungspass einführen, der den Menschen eine Dokumentierung ihrer persönlichen
Weiterbildung vereinfacht.
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III. Unser Zukunftsbild von Kindergärten, Schulen und Hochschulen in
Schleswig-Holstein im Jahr 2020
Kinder und junge Menschen sollen in Schleswig-Holstein gut auf ihr Leben vorbereitet
werden. Sie sollen unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund ihre Fähigkeiten entfalten können.
Kinder besuchen spätestens ab dem dritten Lebensjahr eine für die Eltern kostenlose Kindertageseinrichtung.
Die Finanzierung erfolgt durch Umschichtung in der Steuer- (zum Beispiel beim Ehegattensplitting) und Familienpolitik
(z.B. beim Kindergeld). Dort erfahren sie Unterstützung bei ihrer geistigen, personalen und sozialen Entwicklung.
Ihre natürliche Neugier und Lernfreude wird gezielt gefördert, damit sie erfolgreich in der Schule starten können.
Erzieherinnen und Erzieher entwickeln gemeinsam mit den Eltern individuelle Bildungs- und Erziehungspläne, damit
Kinder optimal gefördert werden können und mehr Chancengleichheit erreicht wird.
Im Mittelpunkt des anschließenden Schulbesuchs stehen die Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler und die
Bildungs- und Erziehungsarbeit der Lehrerinnen und Lehrer: Pädagogen fördern ihre Schüler individuell.
Sie gleichen
Schwächen und Benachteiligungen aus und unterstützen besondere Talente. Die Unterrichtsanforderungen sind anspruchsvoll.
Kinder und Jugendliche werden angeleitet, Lernprozesse selbstständig zu gestalten und teamorientiert zu arbeiten.
Auf diese Weise erreichen sie einen möglichst hohen Leistungsstand und eignen sich Schlüsselkompetenzen an.
Durch eine weitere Stärkung ihrer Selbstständigkeit und Eigenverantwortung ist die Schule der Zukunft noch besser
als bisher in der Lage, diesen pädagogischen Herausforderungen gerecht zu werden. Damit verbunden ist eine methodische
Überprüfung der Qualität schulischer Arbeit:
Lehrer, Schüler und Eltern erhalten durch neue Verfahren der
Lernstandserhebung, durch die Auswertung von Vergleichsarbeiten sowie durch systematische interne und externe
Bewertungsprozesse alle notwendigen Werkzeuge an die Hand, um den Erfolg der schulischen Arbeit zu dokumentieren,
sicherzustellen und ggf. Verbesserungsansätze zu erarbeiten.
Die Möglichkeiten moderner Informations- und Kommunikationstechnologien werden verstärkt genutzt, um Schülerinnen und
Schülern differenzierte Lernangebote vorzuschlagen und ihre Selbstständigkeit und Eigenverantwortung innerhalb der
Lernprozesse zu unterstützen.
Kollegien und Schulleitungen arbeiten in einem Umfeld, das vielfältige Möglichkeiten für die wechselseitige
Unterstützung und professionelle Entwicklung bietet:
Wesentliche Entscheidungen werden von der Schulleitung, dem
Kollegium sowie den Schülern und Eltern gemeinsam getroffen. Schulen gehen mit den Eltern eine aktive
Erziehungspartnerschaft ein und kooperieren eng mit der Wirtschaft.
Unsere Schulen sind lebendige und zukunftsorientierte "Häuser des Lernens". Sie werden professionell geführt und
arbeiten mit der Jugendhilfe und anderen Partnern in ihrem jeweiligen Umfeld zusammen. Schulen sind Orte, an denen
sich Schüler, Lehrer, Eltern und alle anderen Bürgerinnen und Bürger, die an Bildung interessiert sind, gerne einfinden
und im Sinne ihrer gemeinsam entwickelten pädagogischen und fachlichen Ziele wirkungsvoll zusammen arbeiten. In
Schleswig-Holstein lernen alle Schülerinnen und Schüler bis zur zehnten Klasse nach skandinavischem Vorbild an einer
"Schule für alle".
Die Trennung nach Schularten ist überwunden.
Unsere Hochschulen sind für die zukünftigen Herausforderungen gerüstet: Sie haben ein System zur leistungsorientierten
Mittelverteilung entwickelt und überprüfen regelmäßig die Qualität ihrer Angebote.
Sie haben ihre Studienstrukturen auf
die europäischen Anforderungen ausgerichtet und bieten ein attraktives und breites Angebot an Studienfächern. Sie
arbeiten interdisziplinär und vernetzt mit den Forschungseinrichtungen zusammen. Sie haben ihre hervorragenden Bereiche weiter ausgebaut und sind damit Teil eines bundesweiten
Exzellenznetzwerkes. Sie tragen durch optimalen Wissenstransfer zur wirtschaftlichen Entwicklung unseres
Landes bei.
Die Zahl der Studierenden ist deutlich gestiegen. Die Studierenden sind auf das Studium angemessen vorbereitet
und finden ein vielfältiges, gut organisiertes Studienangebot vor. Sowohl mit dem Bachelor als auch mit dem Master
haben sie gute Berufsaussichten auf dem europäischen und internationalen Arbeitsmarkt.
Das ganze Regierungsprogramm 2005-2010 kann man von der Internetseite der SPD-Schleswig-Holstein als pdf-Datei herunterladen.
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