Bildung an der Schwelle zum 21. Jahrhundert
Für das 21. Jahrhundert brauchen wir gut qualifizierte Menschen, die in sozialer Verantwortung unsere Welt gestalten.
Die Menschheit ist auf dem Weg zu einer Wissensgesellschaft. Neue Informationstechnologien ermöglichen einen immer schnelleren Zuwachs an Wissen. Immer weitere Wissensgebiete entstehen und finden wirtschaftliche Anwendung. Die Zukunft unserer Gesellschaft und die Lebenschancen jedes Einzelnen hängen von der Qualität der Bildung ab.
Wir brauchen gut qualifizierte Menschen, die über ein breites Grundwissen und gute Kenntnisse in speziellen Wissensgebieten verfügen, und diese anwenden können, und die offen sind für Innovationen. Sie sollen sich in der Informations- und Kommunikationstechnik auskennen und selbstverständlich damit umgehen.
Wissen allein genügt nicht. Unsere pluralistische Gesellschaft wird immer heterogener. Es gibt mehr Gestaltungsmöglichkeiten aber auch immer größere Unübersichtlichkeit und Orientierungslosigkeit. Es muß gelingen ,Orientierung an Grundwerten zu vermitteln, die Kinder und Jugendlichen so zu bilden und zu erziehen, daß sie Verantwortung für sich, für andere und für die Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse übernehmen. Sie sollen teamfähig und in der Lage sein, Konflikte friedlich zu lösen.
Wir brauchen daher gut qualifizierte Menschen, die in sozialer Verantwortung handeln und damit den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft verbessern.
Im kommenden Jahrhundert werden die europäischen Staaten zusammenwachsen. Die Globalisierung wird weiter das Bewußtsein der Menschheit verändern. Medien, Tourismus, Einwanderung, Sprachkenntnisse beeinflussen das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Fremdenfeindlichkeit ist eine Bedrohung der Gesellschaft. Interkulturelle Kompetenz wird die Voraussetzung sein für das friedliche Zusammenleben, dazu gehört auch das Beherrschen mehrerer Sprachen. Deshalb brauchen wir gut qualifizierte Menschen, die in sozialer Verantwortung unsere Welt gestalten.
Bildung zielt
Bildung ist
Sozialdemokratische Bildungspolitik hält daran fest, daß alle Menschen gleiche Bildungschancen und Zugang zu den Bildungsangeboten haben sollen.
Bildung. Schule und Hochschule sind eine öffentliche Aufgabe unter staatlichen Rahmenbedingungen. Das schließt unser Grundverständnis ein, daß jede Schülerin und jeder Schüler, ganz gleich, welche Schule oder Schulart sie oder er besucht, Anspruch auf eine gute schulische Förderung der jeweils individuellen Möglichkeiten und Begabungen hat. Wir wollen, daß der allgemeine Bildungsstand sich weiter verbessert. Der häufig vertretene Gedanke, daß Streben nach mehr Bildung für mehr Menschen zu einem Niveauabfall führen werde, ist ebenso falsch wie der Slogan " Mehr ist weniger". Wir wollen, daß kein Kind abgeschrieben wird, daß kein Talent brachliegt. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die über ein hohes Maß an Kenntnissen und Fertigkeiten verfügen, sind die beste Standortgarantie.
Wir haben in Schleswig-Holstein ein differenziertes, vielfältiges Angebot, aus dem die Eltern die geeignete Schule für ihre Kinder wählen können. Auf diese Vielfalt sind wir stolz. Darauf bauen wir auf, wenn es jetzt darum geht, unser Schulwesen behutsam mit allen Beteiligten fortzuentwickeln und zu modernisieren.
Wir wissen und wollen, daß Schülerinnen und Schüler sich in der Schule anstrengen müssen. Wir möchten, daß die Schule als "Haus des Lernens" aber auch Freude macht. Kinder und Jugendliche, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Schulträger sollen die Möglichkeit haben, ihrer Schule eine eigene Identität zu geben. Wir wollen die Verantwortung derjenigen stärken, die die einzelne Schule "vor Ort" mit Leben erfüllen.
Wir wissen sehr wohl, daß Schule nicht alles leisten kann, auch Elternhäuser und gesellschaftliches Umfeld sind gefordert, aber: Schule muß sich neuen Herausforderungen stellen: Soziales und interkulturelles Lernen, Eigentätigkeit, Kreativität, Verantwortungs- und Teamfähigkeit, Sprach- und Lernkompetenz, das sind einige Schlüsselqualifikationen, die als unverzichtbare Voraussetzungen für "lebenbegleitendes Lernen" und für das soziale Zusammenleben immer wichtiger werden.
Eine qualifizierte Ausbildung in einem zukunftsfähigen Beruf ist noch keine Garantie für einen Arbeitsplatz, aber die wichtigste Voraussetzung, um bei der Konkurrenz um immer knappere Arbeitsplätze mithalten zu können.
Das Hauptproblem der beruflichen Bildung ist das bundesweit unzureichende Angebot an Ausbildungsplätzen.
Wir in Schleswig-Holstein sind bundesweit Spitze: bei uns werden mehr Ausbildungsplätze angeboten als Bewerber vorhanden sind.
Das duale System der Berufsausbildung hat sich als leistungsfähiges, effizientes und attraktives Ausbildungssystem für die berufliche Erstausbildung erwiesen, das heute mehr denn je gestärkt werden muß. Dies um so mehr, weil ein europäischer Vergleich zeigt, daß Länder, in denen Jugendliche direkt aus der Schule in das Beschäftigungssystem wechseln, eine höhere Jugendarbeitslosigkeitsquote aufweisen.
Der hohe Standard von Ausbildungs- und Lerninhalten, der durch das Lernen am Arbeitsplatz in den Betrieben sowie durch den berufsbezogenen und allgemeinbildenden Unterricht in der Berufsschule erreicht wird, verschafft den Betrieben die notwendig qualifizierten Fachkräfte. Junge Absolventinnen und Absolventen der dualen Berufsausbildung sind kompetente Arbeitnehmer/-innen ,die flexibel auf betriebliche Prozeßänderungen reagieren können und somit die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe stärken. Das Prinzip einer breiten beruflichen Grundbildung und einer darauf aufbauenden Fachleistung in Verbindung mit der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen und mit einer Kompetenz, die ein lebensbegleitendes berufliches Lernen ermöglicht, sind die besten Voraussetzungen ,berufliches und gesellschaftliches Leben zu gestalten.
In den kommenden Jahren werden unsere Schulen weiterhin mit steigenden Schülerzahlen leben. Angesichts der Lage der öffentlichen Finanzen sind die herkömmlichen Lösungen nicht mehr bezahlbar. Wir haben uns dieser Herausforderung gestellt und durch die Errichtung von Arbeitszeitkonten, durch Erteilung von Mehrarbeit und durch die Straffung der Verwaltung neue Ansätze zur Problemlösung entwickelt. Zur Sicherung des Unterrichtsbedarfs sind weiter Lösungen notwendig, an denen alle mitwirken müssen. Das werden wir mit den Lehrerverbänden, den Schüler- und Elternvertretungen zu einem Gesamtkonzept zusammenführen.
Wir wissen, daß Lehrerinnen und Lehrer sich unter schwierigen Bedingungen mit großem Engagement ihrer wichtigen Aufgabe stellen. Wir werden uns dafür einsetzen, daß zukünftig die öffentliche Akzeptanz des Berufsstandes dieser Wahrnehmung gerecht wird.
Wir sind sicher, daß die Lehrerinnen und Lehrer den Weg zu mehr Eigenständigkeit und Profilbildung als Chance für eine größere Berufszufriedenheit und die Gestaltung einer guten Schule sehen und nutzen werden.
Wir stellen uns dem Anspruch auf
Daran haben wir intensiv gearbeitet, das haben wir erreicht:
Neue Lehrpläne wurden unter breiter Beteiligung der Lehrkräfte, der Schülerinnen und Schüler und von Experten erarbeitet. Sie sind richtungweisend und bilden eine gute Grundlage für die Bildung im nächsten Jahrhundert. Sie beinhalten neben breitem Fachwissen methodische, soziale und andere Schlüsselqualifikationen. Alle Kinder und Jugendlichen setzen sich fächerübergreifend mit
auseinander.
Wir haben mit der Novellierung des Schulgesetzes einen weiteren Schritt zur Demokratisierung unserer Schulen getan: Die Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern wurde mit der Einführung der Drittelparität in der Schulkonferenz weiter gestärkt. Gleichzeitig behalten die Lehrerinnen und Lehrer das entscheidende Wort, wo es um pädagogische Grundsatzfragen geht.
Wir haben den Schritt von der verwalteten Schule zur gestalteten Schule gewagt und geschafft. Im Rahmen der Eigenverantwortung geben sich die Schulen ein Schulprogramm, mit dem sie der Öffentlichkeit die Wege und die Ziele ihrer Arbeit zeigen. Diese Programme werden von den Schulen selbst überprüft, gleichzeitig gibt es Qualitätssicherungen von außen als sinnvolle Ergänzungen.
Wir haben die Unterrichtsversorgung gesichert. Während die meisten alten Bundesländer trotz steigender Schülerzahlen bereits Lehrerstellen abbauen, haben wir in der vergangenen Legislaturperiode 450 neue Stellen geschaffen.
Die bisherigen Maßnahmen zur Unterrichtssicherung haben den Lehrerinnen und Lehrern mehr Arbeit durch Verzicht auf früher gewährte Ausgleichs- und Ermäßigungsstunden auferlegt. Mit den Gewerkschaften und Verbänden konnte eine Vereinbarung über die Fortschreibung und Erweiterung der 1993 beschlossenen Arbeitszeitverlängerung von 0, 6 auf 1 Stunde geschlossen werden. Diese Mehrarbeit wird durch Minderarbeit ausgeglichen, sobald die Schülerzahlen wieder zurückgehen.
Die Prinzipien eines schülerorientierten offenen Unterrichts setzen sich an den Grundschulen und zunehmend auch an den weiterführenden Schulen durch. So wird die individuelle Förderung aller Begabungen erreicht.
Der gemeinsame Unterricht von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen ist ein wirksames Mittel, Gewaltbereitschaft und Intoleranz wirksam zu begegnen. Integration in Grundschulen und in Schulen der Sekundarstufe I ist inzwischen fast Normalität. Erfahrungen haben gezeigt, daß in gleichem Maße wie das soziale Lernen das kognitive Lernen erfolgreich ist . Schon rund ein Viertel aller behinderten Schülerinnen und Schüler des Landes wird integrativ unterrichtet.
Die Sonderschulen haben sich zu Förderzentren weiterentwickelt. Zu ihren Aufgaben gehören Prävention, Integration und Unterricht in der Sonderschule. Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen erhalten so ein differenziertes, qualitativ hochwertiges Angebot, das ihrem individuellen Förderbedarf entspricht.
Auch Schülerinnen und Schüler mit Hochbegabungen brauchen besondere Aufmerksamkeit. Damit ihre Begabung erkannt wird und sie ihre Fähigkeiten voll entfalten können, benötigen sie, aber auch ihre Eltern und Lehrkräfte manchmal besondere Unterstützung. Deshalb haben wir eine Beratungsstelle für Hochbegabte eingerichtet.
Mit der Errichtung von achtzehn neuen Gesamtschulen sind seit 1988 Wahlmöglichkeiten von Eltern und Schülern für eine integrierte Form der weiterführenden Schule geschaffen worden. In den Gesamtschulen werden die sonst nach Schularten getrennten Kinder und Jugendlichen gemeinsam in einem Kern - Kurs - System unterrichtet, das die Schullaufbahnen länger offen hält und zu allen Abschlüssen und Berechtigungen führt.
Drei neue Gymnasien wurden in der letzten Legislaturperiode errichtet, um das ortsnahe Schulangebot zu erweitern.
Grundschulkinder brauchen Zeit zum Lernen und verläßliche Schulöffnungszeiten. Mit der finanziellen Förderung von Betreuungsangeboten an Grund- und Förderschulen erhalten Kinder und Eltern verläßliche Schulöffnungszeiten. Das Land beteiligt sich seit 1997 an der Mitfinanzierung von Betreuungsangeboten an Grund- und Förderschulen und ermöglicht so deren Ausweitung.
Das Land leistet einen jährlichen Beitrag von über 47 Millionen DM zum dänischen Schulwesen und sichert so das weltweit als vorbildlich anerkannte Zusammenleben von Mehrheiten und Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzgebiet. Die Unterrichtsangebote in Niederdeutsch und Friesisch wurden weiter verbessert. So setzen wir in Schleswig-Holstein - dem Land mit den meisten Sprachminderheiten - das Verfassungsgebot um, das Dänische, Friesische und Niederdeutsche besonders zu schützen. Maßgeblich auf Betreiben Schleswig-Holsteins wurden diese drei Sprachen zusammen mit Romanes und Sorbisch in die Europäische Charta zum Schutz der Regional- und Minderheitensprachen aufgenommen.
Rund 57 Millionen DM investiert das Land jährlich in die deutschen Privatschulen, die von ca. 7. 000 Schülern besucht werden. Natürlich müssen auch die Privaten sparen, aber ihre Existenz ist gesichert.
Wir haben ein Investitionsprogramm "Arbeit, Bildung, Innovation" ( ABI ) eingerichtet, aus dem Investitionsmittel in Höhe von ca 13 Mio. DM für die Modernisierung von Berufs- bildungsstätten sowie 6,3 Mio. DM für die Computerausstattung und Netzanbindung aller Schulen im Lande zur Verfügung stehen.
In Schleswig-Holstein haben wir eine hohe betriebliche Ausbildungsbereitschaft, die für eine etwa ausgeglichene Ausbildungsplatzbilanz gesorgt hat. Dies wurde nicht zuletzt durch die gute Form der Zusammenarbeit aller Beteiligten in der beruflichen Ausbildung erreicht.
Durch Förderprogramme der Landesregierung konnten Schulträger die Ausstattung der Berufsschule modernisieren, so daß die Beschulung im Bereich der neuen IT-Berufe, der Mediengestalter oder auch der Mechatroniker auf hohem Niveau gesichert werden konnte.
Durch sukzessiven Ausbau der Lehrerplanstellen für den Bereich der berufsbildenden Schulen konnte der bundesweit geforderte 12stündige Berufsschulunterricht in erheblichem Umfang realisiert werden. Durch zahlreiche Modellversuche, die u. a. die Vermittlung von technologischer Fachkompetenz und von Schlüsselqualifikationen zum Gegenstand hatten, konnte die berufspädagogische Lehrerkompetenz an die Notwendigkeit betrieblicher Wandlungsprozesse angepaßt werden.
Im Rahmen der Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung können Auszubildende mit einem Hauptschulabschluß in Verbindung mit der Berufsausbildung und einem mindestens befriedigendem Berufsschulabschluß einen dem Realschulabschluß entsprechenden bundesweit anerkannten Abschluß erreichen.
Mit der Einrichtung der Berufsoberschule in Schleswig-Holstein wurde für Absolventen der dualen Berufsausbildung eine weitere Lücke der Durchlässigkeit zur Hochschule geschlossen. Die Berufsoberschule vermittelt eine fachgebundene Hochschulreife.
Das bisher Erreichte, auf das wir stolz sein können, wollen wir sichern und zusammen mit den Beteiligten ausbauen und weiterentwickeln.
Das wollen wir in den nächsten fünf Jahren erreichen:
Modernisierung und Finanzierung der Schulen
Modernisierung der Verwaltung und des Dienstrechts
Die Notwendigkeit der Reform des öffentlichen Dienstrechts ist ebenso unbestritten wie die der Modernisierung der Verwaltung des Schul- und Hochschulwesens.
Die Beauftragung auf Zeit für Leitungsaufgaben in den Schulen und Bildungsverwaltungen ist bereits angepackt und wird der Verkrustung von Strukturen und Gewohnheiten entgegenwirken. Engagierte Lehrkräfte können besser motiviert und gefördert werden. Der Aufbruch in eine moderne Personalführung der Landesbeamten ist in Schleswig-Holstein bereits in Gange. Die bereits begonnene Dezentralisierung der Personalverwaltung wird fortgesetzt.
Wachsende Schülerzahlen - mehr Planstellen
Auch in der Wahlperiode 2000 - 2005 werden die Schülerzahlen wachsen, wenn auch langsamer als in den letzten Jahren. An den allgemeinbildenden Schulen werden etwa 10.000, an den Berufsschulen ca. 12.000 Kinder und Jugendliche zusätzlich unterrichtet werden. Dieser Zuwachs wird trotz angespannter Haushaltslage zu einem Teil mit zusätzlichen Lehrerstellen und Ausbildungsplätzen bewältigt werden müssen.
Die Zusage gilt!
Für die aus Altersgründen ausscheidenden Lehrerinnen und Lehrer werden neue Lehrkräfte den Schulen zur Verfügung gestellt. Ihre Stellen werden nicht eingespart, sondern sichern die Innovationskraft und Fachwissen auf dem neuesten Stand. Mit rund 2000 jungen Lehrerinnen und Lehrern wird eine kräftige Verjüngung der Kollegien einsetzen.
Mit Vorgriffsstunden über den Berg
Trotz des bevorstehenden Wahlkampfes hat deshalb die Landesregierung den Lehrkräften im Lande noch einmal eine Belastung mit zusätzlicher Arbeitszeit zugemutet. Das notwendige Vertrauen in eine Form von Arbeitszeitkonto wird unterstützt durch rechtlich klare und einklagbare Zusagen der Landesregierung. Mit dieser Sonderbelastung der Lehrkräfte ist nach Ansicht der SPD allerdings die Belastungsfähigkeit der Lehrerinnen und Lehrer erschöpft, wenn man gleichzeitig von ihnen engagierte und kreative Erziehungsarbeit an den Schulen erwartet.
Sinnvolle Arbeit statt Frühpensionierung
Ohne Rücksicht auf Verschlechterungen der seelischen und körperlichen Leistungsfähigkeit hat das alte Beamtenrecht verhindert, daß Lehrerinnen und Lehrer mit einem Teil ihrer Arbeitskraft und auch vollständig in anderen Arbeitsfeldern des Bildungswesens und der Bildungsverwaltung ein neues Aufgabengebiet finden konnten. Wer nicht mehr unterrichten konnte, mußte in den Ruhestand. Diese Verschwendung von Arbeitswillen und Erfahrung kann nun ein Ende haben. Im Datenverarbeitungsbereich, dem Büchereiwesen oder der verbesserten Beratung von Schülerinnen und Schülern bzw. ihren Eltern liegen geeignete Arbeitsfelder.
Flexibler Umgang mit aktuellen Problemen
Neben der Sicherstellung des Unterrichtsangebotes an unseren Schulen gibt es immer wieder Unterrichtsausfall durch Erkrankungen von Lehrkräften. Bereitschaften, die von einem Tag auf den nächsten aktiviert werden können, sind nicht zu finanzieren. Die Landesregierung hat durch eine kräftige Aufstockung von "Stundengebermitteln" ein schlagkräftiges Instrument geschaffen, mit dem kurzfristig Unterricht erteilt werden kann. Durch dezentrale Entscheidungen über die Vergabe der Mittel ist schnelle und gezielte Hilfe für die Schulen möglich.
Konzentration der Kräfte
Neue Wege werden beschritten durch die Schaffung eines neuen Berufsbildes: der Schulassistentin und des Schulassistenten. Wer es schafft, Lehrkräfte von Verwaltungsarbeiten, von technischen Wartungs- und Pflegearbeiten, von EDV-Betreuungen und ähnlichen Aufgaben zu entlasten, wird damit mehr Lehrerstunden für die eigentliche Unterrichtsarbeit gewinnen. In Partnerschaft mit den Schulträgern wird diese Arbeitsteilung sinnvoll weiterzuentwickeln sein.
Sicherung der Finanzierung
Die größte Zahl der in den vergangenen Jahrzehnten eingestellten Lehrkräfte wurden ( und sind noch ) Beamte. Bund und Länder vertrauten darauf, daß die Ruhestandsgehälter finanziert werden könnten, wenn die Zeit gekommen sein würde.
Nun, da die Zahlungen in den kommenden Jahren anstehen, muß endlich bundesweit darüber nachgedacht werden, wie die Verpflichtungen gegenüber den Ruheständlern erfüllt werden können, ohne andere Aufgaben des Staates in Frage zu stellen.
Die Landesregierung ist das Problem mutig angegangen, indem sie neue Lehrkräfte als Angestellte beschäftigt und damit neben der aktuellen Pensionsfinanzierung auch die zukünftige Rentenfinanzierung gleichzeitig anpackt. Über einige Jahrzehnte gesehen führt das dann zu einer kontinuierlichen Altersvorsorge ohne auflaufende Pensionsansprüche aus öffentlichen Kassen, aber es verschlingt über viele Jahre auch erhebliche Haushaltsmittel für die Doppelfinanzierung.
Dies kann Schleswig-Holstein nur leisten, wenn gleichzeitig eine bundesweite Lösung der Pensionsfinanzierung erfolgt, die unsere Landeskasse entlastet.
Schulentwicklungsplanung für die Zukunft
Land, Kreise und Kommunen müssen auch künftig zusammenwirken, um eine verläßliche Schulentwicklungsplanung zu ermöglichen, auf deren Grundlage ein wirtschaftlicher Einsatz der Sach- und Personalmittel möglich ist. In diese Planung müssen auch die Träger der deutschen und dänischen Privatschulen einbezogen werden.
Die Nachfrage nach Ganztagsangeboten ist in den letzten Jahren aufgrund sich verändernder Familienstrukturen stark gestiegen. Wir werden uns diesem Bedarf stellen und Ganztagsangebote sowie Ganztagsschulen in verstärktem Maße vorhalten.
Betreuungsangebote im Grundschulbereich sollen in Kooperation mit den Schulträgern ausgeweitet werden.
Die Vernetzung von Schule und Jugendarbeit muß allgemein ausgebaut werden, vorrangig an Förderzentren und Hauptschulen. Dadurch werden die Schülerinnen und Schüler zu aktiver Freizeitgestaltung angeregt.
Die Hauptschule, die Realschule , das Gymnasium und die Gesamtschule haben sich in den vergangenen Jahren mit Erfolg neuen Anforderungen gestellt. Um den steigenden pädagogischen Anforderungen auch in Zukunft gerecht zu werden, wollen wir eine größere Durchlässigkeit zwischen den Schularten erreichen.
Benachbarte gymnasiale Oberstufen arbeiten so weit wie möglich zusammen, um ein breites Kursangebot zu sichern. In den Oberstufen der Gymnasien und Gesamtschulen sollen vermehrt Berufspraktika angeboten werden, um den Jugendlichen die berufliche Orientierung zu erleichtern.
Die Sekundarstufe II der Gymnasien, Gesamtschulen und der beruflichen Vollzeitschulen soll grundsätzlich drei Jahre dauern.
Vor dem Hintergrund des Zusammenwachsens unserer Region zu einem Europa muß jedoch die Frage vergleichbarer Abschlüsse flexibel diskutiert werden. Nur so können wir unseren Schülerinnen und Schülern dauerhaft Chancengleichheit gegenüber Konkurrenz aus den europäischen Nachbarstaaten gewährleisten. Als Einstieg in ein neues Schulzeitmodell soll zunächst die Möglichkeit geschaffen werden, im Rahmen von Schulversuchen das Abitur nach 12,5 Schuljahren anzubieten.
Das Abitur muß allgemeine Hochschulzugangsberechtigung bleiben. Eingangsprüfungen lehnen wir ab. Wir werden den Hochschulzugang für qualifizierte Berufstätige ohne Abitur fortentwickeln.
Innovation von Schule
Schulen sind wichtige Erfahrungsfelder. Schülerinnen und Schüler können hier einüben,
- die neuen Informationstechnologien zu handhaben. Unser Ziel ist, daß alle Schulen ans Netz kommen.
- daß Schutz und Pflege von Natur und Umwelt lebensnotwendig sind. Wir unterstützen alle Bestrebungen, daß Schulen sich ein Profil im Sinne der Umwelt-Agenda 21 geben.
- daß die Zusammenarbeit im Ostseeraum zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Schleswig - Holstein beiträgt. Schulpartnerschaften werden besonders gefördert.
anderen Kulturen notwendig ist. Wir werden die Fremdsprachenbegegnung in der
Grundschule und den bilingualen Unterricht in der Sekundarstufe I schrittweise
ausweiten.
Damit Lehrkräfte fit sind für diese zukunftsweisenden Aufgaben, unterstützen wir alle Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Lehrkräften aus den europäischen Ländern. Wir beteiligen uns an den Bildungsprogrammen der Europäischen Union.
Leistungs- und Qualitätssicherung an eigenverantwortlichen Schulen
In der Stärkung der Eigenverantwortung der Schulen sehen wir eine Chance, die
Qualität von Schule weiter zu verbessern. Der eingeschlagene Weg, Schulprogramme
zu erstellen, ein Schulprofil zu entwickeln, wird von uns weiter unterstützt, denn nur
über diesen Weg kann die Diskussion über das an Schule Geleistete geführt werden.
Ferner wollen wir den Schulen ein Budget für Sach - und Personalmittel zur Verfügung stellen, über dessen Verwendung die jeweilige Schule selbst entscheidet. So könnten beispielsweise Honorarkräfte oder außerschulische Experten berufen oder Anschaffungen getätigt werden. Damit werden die Entscheidungs - und Handlungsspielräume der Schulen entscheidend erweitert.
Die Weiterentwicklung von Schule muß begleitet werden durch periodische Unter-
suchungen des Leistungs- und Entwicklungsstandes. Durch den Vergleich, auch regional, können Lernstandards sichergestellt werden. Dabei gehen wir von einem zeitgemäßen Leistungsbegriff aus, der aufbauendes, anwendungsbezogenes, kreatives Lernen voraussetzt.
Die Lehrerinnen und Lehrer müssen auf diese neuen Anforderungen vorbereitet werden.
fachlich-didaktische Kompetenzen ebenso voraussetzen wie Erziehungs- und Gestaltungs-
kompetenz.
Berufspraktische Elemente, die qualifiziert begleitet werden, müssen ins Studium integriert werden, um die Studierenden bereits frühzeitig erkennen zu lassen, ob sie für den Lehrerberuf geeignet sind.
Die beiden Ausbildungsphasen sollen stärker verzahnt werden. Die Kooperation zwischen den Universitäten, den Studienseminaren und den Ausbildungsschulen, sowie den Lehrerfortbildungsinstituten muß intensiviert werden.
Die Fort - und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer ist eine Selbstverpflichtung. Dafür halten das IPTS und andere Träger umfangreiche Angebote bereit. Schulinterne Lehrerfortbildung (SCHILF) wird u.a. entscheidend zur Selbstevaluation von Schule beitragen, wobei den Schulen durch Berater und Supervisoren Hilfen angeboten werden.
Die wichtigste Aufgabe sozialdemokratischer Berufsbildungspolitik wird es sein, die Ausbildungsbereitschaft zu Schaffung weiterer betrieblicher Ausbildungsplätze in der dualen Berufsausbildung für die kommenden Jahren zu stabilisieren und zu fördern. Es müssen Maßnahmen zur Unterstützung der Ausbildungsbereitschaft ergriffen werden; wozu auch die Reduzierung zusätzlicher Ausbildungskosten (Gebühren) gehört.
Durch den demographisch bedingten Wandel müssen junge Menschen schon heute für morgen ausgebildet werden. Ab etwa 2010 werden bedeutend weniger junge Menschen die Schulen verlassen, während zahlreiche Fachkräfte und Selbständige aus dem Beschäftigungssystem altersbedingt ausscheiden werden. Deshalb müssen auch weitere Anstrengungen unternommen werden, die die Durchlässigkeit beruflicher Ausbildungsgänge für leistungsschwächere Jugendlichen mit Teilqualifikationen zu einer anerkannten Berufsausbildung eröffnen. Für die berufliche Bildung von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen sollen Konzepte entwickelt werden, die eine Integration in die Berufliche Schule ermöglichen. Zur Mobilitätserhöhung junger Menschen bei der Wahl eines Ausbildungsplatzes müssen auch hier "Hemmnisse" bei Schulabgängern durch Zuschüsse z. B. für zusätzliche Internatskosten und zusätzliche Reisekosten abgebaut werden.
Wir wollen die Vielfalt der Organisationsmodelle und die Entscheidungskompetenz über die Form des Berufsschulunterrichts bei den Beteiligten vor Ort (Berufsschule und Innungen) erhalten. Auf dieser Grundlage soll auch die Zusammenarbeit zwischen betrieblicher und schulischer Berufsausbildung im Bereich der Abschlußprüfungen und der überbetrieblichen Unterweisung verbessert werden.
Um für die steigende Zahl von Absolventen allgemeinbildender Schulen eine Ausbildungsperspektive zu eröffnen, muß auch die Akzeptanz schulischer Berufsausbildungsgänge nach Landesrecht in der Wirtschaft verbessert werden. Dies kann dadurch erreicht werden, daß die nach Landesrecht (als Assistenten) ausgebildeten Jugendlichen direkt in das Beschäftigungssystem übernommen werden. Mindestens aber müßte die schulisch erworbene Qualifikation in einer Berufsfachschule in einer sich anschließenden dualen Berufsausbildung zu einer Ausbildungsverkürzung führen.
Ein besonderes Engagement gilt der Nachwuchssicherung für Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen. Mit der Einrichtung des doppelqualifizierenden Studienganges für das Lehramt an berufsbildenden Schulen / Diplom Berufspädagogik an der Bildungswissenschaftlichen Hochschule - Universität Flensburg wurde ein wesentlicher Grundstein für die Lehrer-Nachwuchssicherung in den Berufsfeldern Metall- und Elektrotechnik gelegt. Darüber hinaus benötigen wir aber den Ausbau eines Sicherungsystems für den Lehrernachwuchs, da in 5 bis 7 Jahren eine große Pensionierungswelle auf die berufsbildenden Schulen zukommt. Gleichzeitig werden - demographisch bedingt - ca. 2.000 - 4.000 Schülerinnen und Schüler mehr im System der beruflichen Schulen sein. Auf den Hochschulen gibt es - schon jetzt erkennbar - nicht genügend viele Lehramtsstudenten für den berufsbildenden Schulbereich.
Im Bereich der Berufsausbildung fallen auch viele Entscheidungen auf Bundesebene. Die SPD in Schleswig-Holstein wird folgende Maßnahmen auf Bundesebene unterstützen bzw. betreiben:
Hochschulen
Präambel
Wissenschaft und Forschung sind Schlüsselressourcen für die gesamte wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Ihre Bedeutung wird in unserer nachindustriellen Gesellschaft zunehmen. Deswegen sind die Hochschulen des Landes für uns eine wichtige Zukunftsinvestition. Sie nehmen wichtige Aufgaben in der Ausbildung junger Menschen, der unabhängigen wissenschaftlichen Forschung und bei Dienstleistungen von der Krankenversorgung bis zur Weiterbildung wahr.
Auftrag der Hochschulen ist jedoch auch die Erziehung zur kritischen Reflexion und verantwortungsvollen aktiven Teilnahme am öffentlichen Leben.
Wir haben die Hochschullandschaft Schleswig-Holsteins in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut. Sie ist heute vielfältiger als 1988, das Angebot ist größer und regional ausgewogen. Die jährlichen Ausgaben für Wissenschaft und Forschung sind kontinuierlich gestiegen und die Zahl der Studienplätze wurde deutlich erhöht.
Die Hochschulstandorte im Land sollen erhalten bleiben. Die Hochschulen müssen trotz knapper Finanzen weiterentwickelt und ausgebaut werden. Mehr Effizienz, mehr Transparenz, verstärkte Kooperationen und verläßliche staatliche Finanzierung sind dafür die Bedingungen, die wir befördern wollen.
Die Effizienz steigern, Autonomie und Partizipation fördern
Wir lassen uns von dem Ziel leiten, durch mehr Autonomie und Partizipation mehr Effizienz zu erreichen, mehr Kreativität zu entwickeln und die Profilbildung der Hochschulen zu verbessern. Ziel ist eine stärkere Orientierung auf die Anforderungen der Studierenden, eine stärkeres Gewicht der Lehre, eine effizientere Selbststeuerung, eine Qualitätssicherung der Forschung verbunden mit offensiven Strategien zum Technologietransfer.
Wir wollen, daß die Hochschulen künftig eigenständiger ihre Aufgaben erfüllen. Dafür müssen die Hochschulleitungen auf allen Ebenen mit den ihnen entsprechenden Kompetenzen ausgestattet werden. Gleichzeitig müssen die Mitwirkungsrechte aller Hochschulangehörigen gestärkt werden, um Autonomie und Partizipation gleichermaßen zu befördern.
Autonomie und Partizipation beinhaltet auch
Die Autonomie der Hochschule verpflichtet sie jedoch auch, der Gesellschaft, die sie finanziert, Rechenschaft über die Erfüllung ihrer Aufgaben zu geben.
Grundlage der Arbeit der Hochschulen sind Zielvereinbarungen, auf die sich das Land und die Hochschulen verständigen.
Wir wollen über Zielvereinbarungen sicherstellen, daß wichtige zukunftsfähige Schwerpunkte wie die ökologischen Wissenschaften und gesellschaftspolitisch unverzichtbare Disziplinen wie die Sozial- und Kulturwissenschaften einen angemessenen Spielraum erhalten.
Die Personalstruktur erneuern
Wir brauchen eine neue Personalstruktur, die gerade jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mehr Freiräume schafft. Die neue Personalstruktur soll transparent, durchlässig und der Lebenssituation angemessen im Hinblick auf die Arbeitsbiographien und die Familiensituation der wissenschaftlich Tätigen sein. Wir wollen das Habilitationssystem zu Gunsten eines Systems von eigenverantwortlichen Assistenzprofessuren verändern. So können die hierarchischen Strukturen der Hochschulen aufgebrochen werden, die häufig genug den wissenschaftlichen Nachwuchs und dessen Kreativität bremsen, und verhindert werden, daß sich der wissenschaftliche Nachwuchs in zwanzigjährigen Qualifikation für eine Lebenszeitprofessur über Examen, Promotion und Habilitation verschleißt.
Wissenschaftliche Mitarbeiter sind dem Institut und nicht einzelnen Lehrstühlen zuzuordnen, um persönliche Abhängigkeiten zu verringern.
Um die vorhandenen Potentiale an den Hochschulen optimal zu erschließen, wollen wir gute Qualität von Forschung und Lehre belohnen: Besonders gute Leistungen auf beiden Gebieten sollen durch Prämien und zusätzliche Institutsmittel vergütet werden. Wir wollen uns dafür einsetzen, daß auch für Professoren angemessene Beschäftigungsformen außerhalb des für diesen Bereich antiquierten Beamtenrechts gefunden werden.
Für die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter streben wir einen Wissenschaftstarifvertrag an, der den spezifischen Bedingungen von Wissenschaft und Forschung Rechnung trägt.
Trotz bestehender erfolgreicher Ansätze von Frauenförderung an den Hochschulen werden die Potentiale an Begabung und Leistungsbereitschaft von Studentinnen und Wissenschaftlerinnen bei weitem nicht ausgeschöpft. Förderung von Frauen ist daher weiter ein Schwerpunkt unserer Hochschulpolitik. Sie muß daher auch eingehen in Evaluationsverfahren. Ziel ist: Der Anteil von Frauen in Lehre und Forschung, insbesondere bei den Professuren, muß deutlich erhöht werden.
Die Studiengänge modernisieren und internationalisieren
Für die meisten Studierende ist das Studium eine Berufsausbildung für Berufe außerhalb der Hochschulen. Für sie müssen anwendungsbezogene Studiengänge angeboten werden, insbesondere an Fachhochschulen. Daher halten wir an dem Ziel fest, den Anteil der Studierenden an Fachhochschulen zu erhöhen.
Aber auch für Studierende, die eine Forschungslaufbahn anstreben, muss weiterhin eine fundierte und breite wissenschaftliche Ausbildungsmöglichkeiten erhalten werden, die die Basisausbildung ergänzen oder auf diesen aufbauen.
Im Rahmen einer verbesserten Studienvorbereitung müssen bereits Schülerinnen und Schüler intensiv über die Studienangebote, -anforderungen und das potentielle Berufsfeld nach erfolgreichem Abschluß informiert werden. Außerdem soll die Möglichkeit eines einwöchigen Aufenthalts im Studienbetrieb (analog zum Betriebspraktikum) geschaffen werden.
Die Anforderungen des Arbeitsmarktes sind starken Veränderungen unterworfen. Um bei Bedarf auf eine gestiegene Nachfrage schneller reagieren zu können und die Um- bzw. Weiterqualifizierung zu fördern, müssen Angebote wie Fern- und Aufbaustudiengänge sowie Weiterbildungskurse für Berufstätige ausgebaut werden.
Sehr viele Studierende müssen sich ihren Lebensunterhalt zum Teil oder ganz selbst verdienen. Auch der Anteil von alleinerziehenden Müttern oder Vätern ist größer geworden. Daher ist das Teilzeitstudium gesellschaftliche Realität Solange die Gesellschaft diese Studierenden nicht ausreichend unterstützt, kann und darf es für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten keine sanktionierte Studienzeitbegrenzung geben. Studiengebühren und Zwangsexmatrikulationen wird es mit uns auch weiterhin nicht geben!
Wettbewerb und Forschungskooperationen auf internationaler Ebene und ein internationaler Arbeitsmarkt führen dazu, daß Studiengänge angepaßt werden müssen. Wir wollen deshalb die Hochschulen dazu ermuntern, Bachelor- und Master-Studiengänge als wählbare Alternativen zu den bisherigen Studiengängen einzuführen. Die damit verbundene Modularisierung von Studieninhalten muß verstärkt vorangetrieben werden.
In diesem System ist es möglich, relevante, über das Fach hinausgehende Studieninhalte zu vermitteln. Zu diesen gehören ganz sicher Ergebnisse der "Gender Studies" aber auch philosophische oder sozialwissenschaftliche Aspekte von Naturwissenschaft und Technik.
Für die Profilbildung eines innovativen und europaoffenen Wissenschaftsstandortes Schleswig-Holstein planen wir internationale Studiengänge und gemeinsame Abschlüsse mit kooperierenden Hochschulen. Besonders fördern wollen wir Kooperationen mit unseren Nachbarn in der Ostseeregion.
Die sprachlichen Kompetenzen der deutschen Studierenden sollen durch Fachveranstaltungen, die in einer Fremdsprache abgehalten werden, gefördert werden. Dafür ist der Anteil ausländischer Gastdozenten und die fremdsprachliche Kompetenzsteigerung bei deutschen Dozenten unbedingte Voraussetzung. Wir wollen den Aufenthalt von fortgeschrittenen Studierenden und Absolventen aus Ländern der Ostseerregion, insbesondere aus Polen und den baltischen Staaten, durch einen Stipendienfonds aus Landes- und Industriemitteln fördern.
Das Land muß darauf hinwirken, daß die bestehenden gesetzlichen Hemmnisse für die Erwerbsarbeit ausländischer Studierender zur Eigenfinanzierung beseitigt werden.
Lehrerbildung
Veränderte Anforderungen an die Schule und der Wandel der Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen erfordern eine Veränderung der Lehrerausbildung.
Sie muß sich stärker an der Schulpraxis orientieren.
Um den Lehrernachwuchs, besonders im Bereich der Berufsschullehrer zu sichern, müssen Anstrengungen unternommen werden, um für ein entsprechendes Studium zu werben. Die Attraktivität soll dabei auch durch verbesserte Fort- und Weiterbildungsangebote im besonderen Maße für neue Berufe z.B. aus dem Bereich der Informationstechnologie erhöht werden. Der Zugang für diesen Studienbereich sollte erweitert werden etwa für qualifizierte Meister der Ausbildungsberufe.
Wir wollen eine Lehrerausbildung weiterhin in Kiel und Flensburg. Die bisherigen Schwerpunktsetzungen sind dabei bis zum Jahre 2003 an beiden Standorten zu evaluieren, um daraus Perspektiven für die weitere Entwicklung zu gewinnen.
Wir wollen die Bildungsforschung stärken, um Grundlagen für eine Qualitätssteigerung auch bei der Lehrerausbildung zu gewinnen.
Wir wollen die Koordinierung und fachkundige Begleitung der Schulpraktika und ihre Einbindung in die gesamte Lehrerausbildung sichern und verbessern.
Die Kooperation von Hochschulen stärken
Fachhochschulen und Universitäten erfüllen nach wie vor unterschiedliche Funktionen bei Lehre und Forschung. Das darf aber nicht dazu führen, daß gegenseitig Vorbehalte aufgebaut und Ressourcen bei knappen Finanzen nicht optimal genutzt werden. Wir wollen deshalb bestehende Kooperationen in Forschung und Lehre ausbauen und neue fördern. Die vorhandenen Ressourcen sollen durch gemeinsame Studienmodule (z.B. bei den Praktika) genutzt werden. Integrative Studienkonzepte mit gemeinsamen Abschlüssen werden wir fördern und den Zugang zur Promotion über ein Promotionsvorbereitungsprogramm an der Universität für FH-Absolventen erleichtern.
Universitätsklinika
Die Zuschüsse zu den Klinika machen etwa ein Drittel des gesamten Hochschuletats aus. Daher werden wir unsere Bemühungen fortsetzen, in diesem Bereich die Subvention ausbildungs- und forschungsferner Aufgaben zu reduzieren durch
Technologie- und Wissenstransfer
Wissen- und Technologietransfer gehört zu den allgemeinen Aufgaben der Hochschulen. Er ist in den nächsten Jahren weiterzuentwickeln durch:
Verwertbare Forschungsergebnisse der Hochschulen für die Wirtschaft einerseits und andererseits wissenschaftliche Erträge für die Entwicklung unserer Gesellschaft, der sozialen, ökologischen und kulturellen Lebensbedingungen, sind gleichwertige Aufgaben des Wissenstransfer. Zum zweiten Bereich gehört eine Stärkung der Kompetenz der Hochschulen zur Technikfolgenabschätzung. Beides ist eine Bringeschuld der Hochschulen.